Wednesday, September 1, 2010

SCHILDERWALD am WATSON LAKE

Freitag, 27.8.2010: Whitehorse nach Watson Lake (ca. 500 km)
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Gestern Nacht war im Nachbarzimmer ja ordentlich was los. Die dürften ordentlich gefeiert haben. Dies hielt mich jedoch nicht davon ab, schnell einzuschlafen.

Am nächsten Morgen höre ich ein Motorradgeräusch – der Motorradfahrer aus der Ukraine hat sein Bike schon gesattelt. Ich raus im Pyjama und Badeschlapfen – da braust er auch schon davon. Ein etwas älterer Herr spricht mich auf deutsch an.

WAREN WIR GESTERN EH NICHT ZU LAUT?

Nein, nein, ist schon OK. Da kommt ein 2. Mann sowie 2 Damen aus dem Zimmer, die in ein Taxi steigen. Jetzt ist mir alles klar. Die haben letzte Nacht eine kleine Orgie gefeiert.


Wie auch immer, ich gehe Frühstücken. Danach ziehe ich bei meiner KTM den STECKER.

Die Benzinqualität ist in Alaska und Kanada so schlecht (88 bis 92 Oktan), das der Motor dadurch immer wieder Mucken macht. Laut KTM Handbuch soll man bei einer Benzinqualität unter 95 Oktan den Stecker ziehen.

Man hat dadurch zwar etwas weniger Leistung, vermeidet jedoch einen Motorschaden durch Fehlzündungen. Der Stecker befindet sich unter dem Sattel. Und schon ist das Problem gelöst.


Strahlender Sonnenschein und eine tolle Landschaft warten auf mich.


Ein geheimnisvolles Moor, das im Zusammenhang mit einer sehr tragischen Liebesgeschichte vor über 100 Jahren zu tun hat.


Auch dieser Felsen spielt dabei eine Rolle. Vielleicht schreibe ich die Geschichte einmal im Blog, wenn etwas mehr Zeit und der Wunsch danach ist.


Zum Mittagessen halte ich bei einem der selten gestreuten Restaurants mit Tankstelle.


Die Auswahl ist nicht sehr gross. Ich bestelle eine Suppe und GRILLED CHEES mit FRENCH FRIES. Ich bekomme einen Käsetoast und metabolisch nicht ganz einwandfreie Pommes.


Ein kleiner Freund gesellt sich zu mir und hilft mir beim Essen. Im Anschluss kaufe ich noch eine Packung Smarties und Twix, die wir gemeinsam ratzeputz vernichtet.


Weiter geht es durch die schöne Landschaft Kandas.


Bis ich endlich in der kleinen, aber weltberühmten Stadt WATSON LAKE ankomme.

Ich beziehe Quartier in einem Motel, das eine ehemalige Kaserne der Fliegerstaffel untergebracht ist. Es wird von einem Deutschen und einer Innsbruckerin geführt, die sich schon vor vielen Jahren in Kanada niedergelassen haben.


Ich frage nach den Lokalitäten. Er warnt mich nur vor einem, weil es da immer wieder zu Schlägereien kommt. OK, da will ich hin. Zuvor geht es jedoch zur Attraktion der Stadt:


Es war im Jahr 1942, als Soldaten der Armee gerade damit beschäftigt waren den Alaska Highway zu bauen, als ein Soldat vor lauter Heimweh ein Schild mit dem Namen seiner Heimatstadt und der Entfernung aufstellte.


Viele Soldaten taten es ihm gleich und so entstand zuerst ein kleiner Schilderwald.


Als diese dann abgezogen waren, wurde der Schilderwald von Durchreisenden und Touristen aus allen möglichen Ländern weiter bestückt.


Mit der Zeit wurden es immer mehr Schilder und es entwickelte sich zu einer Touristenattraktion.


Ich bin begeistert und schaue nach, ob auch was aus Österreich dabei ist, und siehe da...


Wer weiss, wie viele zu Hause noch nach ihren Kennzeichen suchen und in Wirklichkeit hängt das Ding schon seit längerer Zeit in WATSON LAKE. Also Herr oder Frau NOVY - ihr Kennzeichen hängt in Kanada!!!


Toll, was sich da im Laufe der fast 60 Jahre hier alles angesammelt hat.


Inzwischen sind es über 70.000 Schilder, die das Areal verschönern.


Nach so vielen Schildern brauche ich was ordentliches zum Essen. Ich fahre zu der Schlägererkneipe. Einige schräge Typen sind schon da, es gibt jedoch nichts zu essen. Also gehe ich nebenan auf gegrilltes Huhn mit Gemüse und Reis auf Mandarin Sauce.


Das kanadische Bier hat die selben Farben wie mein Motorradhelm. Wenn das kein gutes Vorzeichen ist...


Anschliessend gehe ich nebenan in die wilde Kneipe. Ein paar Kerle sind schon voll besoffen und wanken bereits nach Hause.

Ich bin erschöpft von dem langen Tag und schmeisse mich auch in die Heia.